Der Heilpraktiker ist, neben dem Arzt, der Einzige, der ohne approbiert zu sein,
eigenverantwortlich Menschen behandeln darf. Für die Ausübung der Heilkunde
braucht er deshalb eine Zulassung, was aus dem §1 Heilpraktikergesetz hervor
geht.
Nur durch die Überprüfung der Gesundheitsbehörde allein, ob der
Heilpraktikeranwärter für die Zukunft in seiner Tätigkeit als Heilpraktiker,
keine Gefahr für die Volksgesundheit darstellt, setzt noch nicht voraus, ob
derjenige auch tatsächlich ein guter Heilpraktiker sein wird oder den Menschen
tatsächlich helfen kann. Erst wenn ein Behandlungskonzept vorhanden ist, was
wirklich durchdacht ist, kann ein Heilpraktiker in seiner Praxis auch erfolg
haben.
Zunächst ist der Heilpraktiker ein „praktischer Heiler“, der über seine
Behandlungsmethoden nicht nur bescheid und anzuwenden weiß, sondern auch die
Wirksamkeit der Behandlung kennt, um diese praktisch anwenden zu können. Dabei
reicht es oftmals nicht aus, Schulungen und Lehrgänge über entsprechende
Behandlungsmethoden besucht zu haben.
Das Thema ist deshalb so wichtig, weil viele Kollegen und Kolleginnen
Behandlungsmethoden anbieten, die sie selber in ihrer Wirksamkeit hin nicht
überprüft haben, d.h., sie praktizieren nicht aus eigener Erfahrung heraus, mit
dem Wissen, dass diese spezielle Behandlungsmethode wirklich dem Menschen hilft.
Zu
einem guten Behandlungskonzept gehört das Wissen darüber, dass die eigene
Behandlungsmethode auch wirklich funktioniert, um Menschen zu helfen, und das
geht nur über die eigene Erfahrung.
Die eigentliche Arbeit macht der Heilpraktiker selbst. Damit ist gemeint, dass er der Jenige ist, der den betroffenen Menschen mit seiner ganzen Persönlichkeit und all seinem seelischem Können durch seine eigene Erfahrung helfen kann. Das sollte in seiner täglichen Heilpraktikerpraxis im Vordergrund stehen. Andere alternative Methoden, die z. B. Herr Köhnlechner in den siebziger und achtziger Jahren durch große Medienwirksamkeit dem Publikum zugänglich gemacht hat (Akupunktur usw.), sind im Grunde nur Hilfsmittel und bringen nur eine gewisse Linderung, solange diese Methode angewandt wird. Allenfalls dienen diese als Zugang zum Patienten.
Lindern ist ok, aber allein reicht es bei Weitem nicht aus, denn das Leid ist
damit noch lange nicht behoben. Der Heilpraktiker sollte einen höheren Anspruch
an sich selber haben. Gemeint ist damit, dass die Ursache herausgefunden werden
muss, um überhaupt Patienten helfen zu können, die eigentlich in letzter Instanz
zum Heilpraktiker gehen und somit den letzten Strohhalm suchen. Das bedeutet
noch mehr, wenn nicht am meisten Verantwortung dem Menschen gegenüber. Somit
betritt der Heilpraktiker automatisch die Ebene der Psychosomatik, die ein sehr
weitgreifendes und tief greifendes Thema ist.
Der Mensch ist ein ganzheitliches Individuum, also Körper, Seele und Geist. In
den meisten Fällen zeigt sich eine Krankheit körperlich – manchmal aber auch
geistig. Das heißt aber nicht, dass der Körper für seine Krankheit auch
ursächlich dafür verantwortlich ist. Er ist vielmehr der Ausdruck des Menschen.
So kommt es, dass wir sofort einem Menschen ansehen, wenn es ihm nicht gut geht,
obwohl er es manchmal nicht zeigen will. Krankheit ist eine gesteigerte Form des
Ausdrucks – eine Grenze ist erreicht, oder sogar überschritten. Der Patient
möchte das verstehen, er möchte seine Krankheit verstehen lernen, gerade dann,
wenn der Betroffene durch Medikamente, Apparatemedizin und andere Methoden nicht
wirklich weiter gekommen ist.
Die reibungslose Funktion aller Organsysteme ist davon abhängig, wie es dem
Menschen geht und wie er sich fühlt. Leider wurden in der Vergangenheit zu viele
Operationen durchgeführt, die bei genauer Betrachtungsweise hätten gar nicht
durchgeführt werden brauchen (Vagotomie).
Das viele alternative Naturheilverfahren und Arzneien, obwohl sie oft auf
Naturbasis bestehen und manchmal auch keine Nebenwirkungen aufweisen, nicht
vordergründig heilen und somit auch nicht langfristig helfen, zeigt uns schon
die Ärzteschaft, die seit geraumer Zeit genau diese ihr Eigen macht und selber
anbietet. Das beweist eigentlich nur, dass viele Heilpraktikerkollegen zwar
naturverbunden arbeiten, aber die Art und Weise der Behandlung im Grunde
identisch ist.
Die Psychosomatik beschreibt im Grunde den Zusammenhang der Krankheit im
Menschen. Fehlt nur noch der richtige Umgang damit, nämlich den Weg der
Ganzheitsbehandlung im wirklichen Sinne. Der Mensch besteht zwar aus einzelnen
Teilen, aber er ist mehr als die Summe aller Anteile, und das macht ihn erst zum
Menschen.
Das Behandlungskonzept ist wie ein Navigationsgerät, das uns hilft, gemeinsam
mit dem Patienten ein direktes Ziel zu erreichen, ohne uns zu verirren. Es ist
individuell vom Ausgangspunkt des Patienten einsetzbar und somit auch
patientengerecht.
Durch diesen Weg der Behandlung versteht der Mensch sich und seine Krankheiten
besser, zu dem er vorher keinen Zugang gehabt hat.
Ihr
Hamburger Heilpraktiker Verband